Montag 7:23. Ich bin um 6:30 aufgestanden. Gestern sehr früh ins Bett. Habe heute sowas wie einen schönen Tag vor mir: Arbeiten, Aufräumen (die Wollmäuse ignorieren den Mindestabstand), wieder arbeiten, bissi einkaufen, Sonne liegen, wieder arbeiten. Zum Schluss vielleicht laufen gehen?

Gestern habe ich über Arbeit nachgedacht. Den Wert der Arbeit. Mit Arbeit, Entlohnung und Geld liegt in unserer Gesellschaft mit Ihrem „Arbeitsmarkt“ ganz viel im Argen. Arbeit ist eigentlich eine Herzensangelegenheit. Sollte eine sein. Das ist radikal.

Der Wert der Arbeit gehört intrinsisch zu ihrem Wesen

Der Wert der Arbeit liegt nicht im Vergleich, sondern gehört intrinsisch zu ihrem Wesen. Unsere Arbeit ist Ausdruck unseres Wesens, auch wenn’s schwierig ist. Und Dienst am Nächsten. Mit unserer Arbeit gliedern wir uns (im Idealfall) mit unseren persönlichen Gaben und Fähigkeiten zu unserem eigenen und dem Wohle anderer in das Funktionieren der Gesellschaft ein.

Unsere Arbeit dient dem Erhalt und der Verbesserung unserer Lebensgrundlage und der unserer Mitmenschen. Im Idealfall kann sich dabei das Persönliche, das Individuelle entfalten. In Wirklichkeit entfalten sich oft jedoch vor allem die negativen Seiten der beteiligten Egos: Gier, Misstrauen, Machtmissbrauch, Leid, Druck, Krankheit. Warum das so ist, beschreibe ich in dem Artikel “Arbeit als Leiden“.

Für mich ganz persönlich liegt der Wert meiner Arbeit darin, etwas Neues zu ermöglichen, zu erleichtern, zu befördern. Arbeit und Geld waren für mich schon immer “zwei Paar Schuh”, wie man so schön sagt. Eigentlich ist Geld ein Fremdfaktor in einer gesunden Arbeitsbeziehung. Arbeit sollte ganz ohne Gegenleistung auskommen. Und der Wert des Dienstes liegt in der Erfüllung, die ich darüber spüre, dass ich am richtigen Ort zu richtigen Zeit das Richtige (förderliche, gesunde, Wachstum-bringende) getan habe – und natürlich in der Anerkennung durch diejenigen, die die Nutznießer dieser Leistung sind. Und dass ich auf dieselbe natürlich Art empfange, wie ich gebe, ist die ganz logische Folge. Ein Ego-freier Arbeitsmarkt für eine Ego-freie Gesellschaft. So fühlt es sich an. Geld ist in Ordnung. Aber darum geht es nicht.

Wenn das Gehalt zu Schmerzensgeld wird

Wo Arbeit nicht als Herzenssache möglich ist, aus was für Gründen auch immer, wird die Entlohnung zu Schmerzensgeld. Da Geld Schmerzen nie aufwiegt, nicht lindert und schon gar nicht heilt, kann es nie genug Schmerzensgeld sein. Niemand ist zufrieden, jeder ist gierig, missgönnerisch, schlecht gelaunt. Alle leben im Vergleich, jedem geht’s mies und das Gehalt zu offenbaren ist annähernd so heikel, wie öffentlich die Geschlechtsteile zu enthüllen.

Ich bin sehr froh, dass ich meine Arbeit in aller Regel als Herzenssache erleben kann. Für mich persönlich sind alle Arten von Verwaltungsaufgaben schwierig. Buchhaltung, Steuer usw. Aber es gibt zum Glück Menschen, die genau das lieben und hervorragend können.

Warum Grundeinkommen funktioniert

Ich bin der festen Überzeugung, dass ein bedingungsloses Grundeinkommen viele von uns auf eine Weise mobilisieren würde, wie das in den herkömmlichen Erwerbsstrukturen nicht möglich ist. Weil alle Zeit und alle Energie in mittel bis schwer erträglichen Arbeitstagen aufgebraucht werden.

Ich glaube, ein Grundeinkommen würde vielen Menschen den Raum geben, sich einen beruflichen Wirkungskreis aufzubauen, der den eigenen Wünschen entspricht.

Arbeit ist ein Grundbedürfnis des Menschen

Das Arbeiten – oder besser: das Wirksamsein – ist ein Grundbedürfnis den Menschen. Eine seelische Notwendigkeit. Wer nicht arbeitet, keinen Wirkungskreis hat, leidet. Und das Leid ist erheblich. Es muss nicht jeder Mensch für Geld arbeiten, aber wer ohne Wirkungskreis ist leidet. Wer nicht gebraucht wird verkümmert innerlich. Wir Menschen beziehen aus unserem Wirksamsein seelische Nahrung. Und das ist kein Luxus. Keiner hat hier eine Wahl.

Das heißt natürlich nicht unbedingt, dass es uns leicht fällt, unseren authentischen beruflichen Ausdruck zu finden. Oft liegt zu vieles in uns selbst dem im Wege. Das muss zuerst angesehen werden. Da fällt mir ein Satz von Bert Hellinger ein, der lautet: Leiden ist leichter, als Lösen.* Die Aussage ist bemerkenswert. Er beschreibt eine tiefe innere Wahrheit: nämlich dass wir mit unserer persönlichen Art zu leiden oft identifiziert sind. Daher ist das Lösen so schwierig. Aber das ist ja schon wieder das Thema eines anderen Artikels: Wenn Leiden Identität ist. Warum es so schwierig ist eine wirkliche, gangbare erfüllende Perspektive zu entwickeln.

Bild oben: Euro-Schiffchen, pixabay.com, Urheber/in klimkin
Bild mitte: Mehrlhände, pixaybay.com, Urheber/in Marinasea

Arbeit, Geld und Herz
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