Natürlich ist es eine Krise, und zwar eine schlimme. Besonders für die Betroffenen: die Erkrankten mit den schweren Verläufen, die Menschen, die diese pflegen und behandeln. Jedenfalls ab dem Moment, wo eine Bedrängnis entsteht. Da bei den Pflegeberufen schon ohne irgendeine Krise Bedrängnis herrscht (zu wenig Zeit für zu viele Patienten bei zu wenig Geld), ist es jetzt natürlich umso schwerer.

Manche von uns sind allerdings nur in eine Klopapierkrise. Weil sie zu viel oder zu wenig davon haben. Die ersteren dürfen sich mit Recht nicht unbedingt als die Speerspitze gesellschaftlicher Solidarität und persönlicher Tapferkeit vorkommen und die letzteren müssen ggfs. erfinderisch sein.

Und dann gibt es für anscheinend gar nicht so wenige die Corona Freiheit. Damit meine ich nicht, dass keine Schule ist, dass wir in Kurzarbeit stecken oder im Homeoffice. Daran fühlt sich vielleicht auch nicht so viel wie Freiheit an: Ich weiß das nicht. Es wäre interessant zu hören, wie Berufstätig mit Kindern diese Zeit der Quarantäne erleben.

Viele Menschen, die ich kenne – mit und ohne familiären Anhang – erleben eine Freiheit. Ein Gefühl, endlich einmal durchatmen zu können.

Die Corona Freiheit – Ein Gefühl, endlich mal Durchatmen zu können

Wenn die Welt da draußen still steht, kommt etwas zur Ruhe. Ich meine, es kommt natürlich äußerlich vieles zur Ruhe, Autos bleiben stehen, Termine fallen flach. Man muss für sich selbst und andere nicht mehr herumgurken den ganzen Tag.

Aber auch bei denen, deren Leben sich eigentlich durch die “Krise” nicht verändert hat, gibt es ein Gefühl der Freiheit. Ich zum Beispiel lebe und arbeite alleine zu Hause. Ich bin sehr viel allein. Nicht so viel, wie zurzeit, aber viel. Ich bin daran gewöhnt und ich liebe es. Mein Leben ist zu großen Teilen wie eine ständige Meditation. Nichts desto weniger bemerke auch ich das Wegfallen eines gewissen stressigen Hintergrundrauschens. Stattdessen habe ich jetzt ein Gefühl der Ruhe, des Loslassens, was mich besonders kreativ macht. Ich entwerfe eben mal meine zukünftige berufliche Strategie, bereite Kurse und Workshops vor.

Was ist das also, was da bei mir innerlich passiert? Was genau geschieht in mir durch dieses Anhalten des öffentlichen Lebens. Und wie kann ich diesen Modus der Freiheit und Entspanntheit bewahren?

Muss ich nachher wieder innerlich mitrennen? Mich unter Druck setzen, schneller und besser sein zu müssen? Oder mich einfach nur unter Druck setzen? Ohne Ziel, weil alles das so machen? Weil das Herumwuseln und Unter-Druck-Stehen einfach dazugehört zum Leben in Deutschland?

Sogar meine Mutter kann diesen inneren Wandel in sich spüren. Sie ist über 80 und muss schon ganz lange gar nichts mehr. Sie ist gesund, hat eine gute Rente und lebt sorgenfrei. Und doch bemerkt sie eine besondere Ruhe in dieser Zeit, die auch sie erfasst hat.

Was wäre die Corona Krise ohne Corona?

Was ist der Wert des Lebens? Will man das ganze Jahr hasten, hetzen, unter Druck stehen um sich was leisten zu können? Klamotten? Reisen? Was wollen wir für unser Geld eigentlich kaufen?

Wenn wir uns fragen, was es ist, weshalb wir rennen und machen, unsere Kinder von Sprach- zu Musik- zu Tanz- und Lernförderung zu kutschieren – damit sie später einen guten Vorsprung haben. Vorsprung vor wem? Und für was? Für das Weitereilen?

Wollen wir nicht die Lebensqualität, die wir haben, wenn wir anhalten? Langsam machen? Was wäre die Corona Krise ohne Corona?

Was wollen wir eigentlich?

Liebe Grüße,
Kathryn

Bild oben: Virus Weltkugel, pixabay.com, Steine im Wasser: Urheber/in MiroslavaChrienova
Bild mitte: Füße im Wasser, pixabay.com, Urheber/in Antranias

Die Corona Freiheit
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